Taizé

Artikel aus dem Gemeindebrief (ja, ich lebe noch!)

10.11.2021

Ja, ich weiß, dass ich seit fast 3 Monaten verspreche einen nächsten Eintrag hochzuladen, und gerade in dieser Woche, in der ich gefühlt keine Zeit habe, setze ich mich dennoch an den Computer und schreibe etwas. Ok, das ist nicht ganz richtig, den Artikel, den du gleich liest, habe ich schon vor knapp einem Monat geschrieben für den Gemeindebrief meiner Kirchengemeinde in Neckargerach. Allerdings habe ich ihn hier noch ein bisschen erweitert, da ich hier (fast) unbegrenzt Platz habe und einige persönliche Sachen noch detailreicher beschreiben kann.
Über alles, was hier tatsächlich passiert ist, werde ich versuchen möglichst bald zu berichten, denn da gibt es sehr viel: Deep Cleaning, Umzüge, French Weeks, meine Jobs und noch vieles mehr!
Jetzt aber erst einmal das, was ich schon habe:

Was ist Taizé und warum möchtest du dort ein ganzes Jahr verbringen?


Taizé ist eigentlich ein kleines Dorf in Burgund in Frankreich. Bekannt ist es aber durch die dortige Gemeinschaft, die Roger Schütz 1942/44 dort gründete. Inzwischen ist die Communauté de Taizé durch die Jugendtreffen bekannt, bei denen man für eine Woche dort bleibt und einen recht einfachen Lebensstil annimmt, im Sommer sind in der Regel pro Woche ca. 2000-4000 Jugendliche in Taizé, im Winter eher 20-50.
Da ich dieses Jahr mein Abi gemacht habe, möchte ich, bevor ich studiere, mal etwas in jeglicher Hinsicht anderes machen. Daher habe ich beschlossen, für ein Jahr hier nach Taizé zu gehen und dort ein einfacheres Leben zu leben, weniger YouTube zu schauen, dafür mehr zu lesen, mehr über Gott, meinen Glauben und mich zu lernen und zu überlegen, was ich danach studieren soll (Tendenz geht aktuell übrigens stark in Richtung Mathe, also eher kein Pfarramt). Außerdem hatte mich Taizé schon bei meinem ersten Besuch dort sehr begeistert, weshalb ich hier sehr gerne einen Freiwilligendienst machen wollte. Und bisher werden mir genau diese Wünsche auch ziemlich erfüllt.

Welche Aufgaben hast du dort? - Wie sieht dein Alltag dort aus?


Grundsätzlich bekommen wir Permanents, also diejenigen, die länger als nur eine Woche bleiben, alle möglichen Aufgaben, die die Jugendtreffen möglich werden lassen. In der Regel sind das auch die Jobs, die man als Gast macht, dann aber in anleitenden Positionen, als „responsibles“. Es gibt aber auch Jobs nur für Permanents, z. B. Houskeeping, also die Häuser der Permanents putzen und Essen servieren, und in La Morada oder El Abiodh Leuten weiterhelfen, wo etwas ist oder sonstige Fragen beantworten. Die Aufgaben wechseln jede Woche, sodass man etwas Abwechslung bekommt, da zwar alle Jobs spannend sind, nach einiger Zeit aber auch langweilig werden, da sie in der Regel nicht so komplex sind und man am Anfang jeder Woche dem neuen Team alles erneut erklären muss. Die Aufgaben, in denen man responsible ist, macht man aber dementsprechend häufiger, um es nicht zu verlernen und Permanents und Gäste anzuleiten.
Ich bin inzwischen Point 5 main responsible, koordiniere also die Putzteams, die die Badezimmer und Baracken putzen, und kümmere mich um das Material, das uns zur Verfügung steht. Zudem bin ich (das war beim Erscheinen des Gemeindebriefes noch nicht so) church responsible. Nach jedem Gebet müssen wir die Plätze der Brüder richten, sodass es schön aussieht, die Kerzen im Altarraum anzünden, ausmachen, austauschen und beschneiden, die Gesangsbücher an den Ein- und Ausgängen ordnen und die Kirche putzen. Sonstige Aufgaben, die ich bisher übernommen habe, waren das Ausstellen der meal tickets (Essensmarken), das Putzen von Tilleul East, einem Permanent Haus, das für den Winter geschlossen wird, und die Arbeit im La Morada.
Auch wenn die Arbeiten sehr unterschiedlich aussehen, sind die Tage, außer Sonntags, fast gleich strukturiert. Jeder Morgen beginnt mit einem Morgengebet mit Kommunion um 8:25, danach gibt es Frühstück. Um 10 Uhr beginnt dann in der Regel die erste Arbeit, bis um 12:30 das Mittagsgebet ist, auf das direkt das Mittagessen folgt. Nach einer Stunde Freizeit geht es dann um 15 Uhr mit einer zweiten Arbeit weiter, um 17:30 sind montags und freitags Bibeleinführungen für die Permanents, sonst hat man bis 19 Uhr frei, da gibt es dann Abendessen. Um 20:30 beginnt das Abendgebet, danach gibt es in den unterschiedlichen Permanent Häusern meist einmal wöchentlich ein Sharing, bei dem man teilweise über ernste Themen spricht, aber auch mal gemeinsam spielt, bastelt oder einen Film schaut. Sonntage verlaufen immer anders, statt des Morgen- und Mittagsgebets gibt es eine Eucharistie-Feier um 10 Uhr und die Arbeitszeiten sind anders. Häufig ist es der stressigste Tag der Woche, da die Gäste der letzten Woche in der Regel abreisen und die neuen Gäste ankommen.

Welches Erlebnis hat dich bisher am meisten bewegt?


Das ist eine recht schwierige Frage, da ich kein einzelnes Erlebnis habe, aber die Vielfalt und viele kleine Geschehnisse das Besondere an Taizé ausmachen. Dazu gehören die vielen Begegnungen mit unterschiedlichsten Personen aus verschiedensten Ländern, die Brüder besser kennenzulernen, tiefe Freundschaften zu anderen Permanents zu schließen, unerwarteter (und auch erwarteter) Weise Freund:innen aus Deutschland in Taizé zu treffen, die Dankbarkeit der Gäste zu hören und einfach mal in der Natur spazieren zu gehen.
Da ich mich nicht auf ein Erlebnis festnageln kann, das mich am meisten bewegt hat, sind hier drei Dinge, die mich besonders berührt haben. In meiner allerersten Woche als Permanent war ich im Meeting Support Night Team, ich war also dafür zuständig, dass es nachts ruhig ist und am Oyak (non-profit Kiosk) alle Leute Maske tragen. Und mein Team hatte mir netter Weise eine kleine Karte als Abschied geschrieben, als Dank, dass ich sie jeden Abend motiviert angeleitet habe. Zwei Wochen später war dann eine Freundin in Taizé, der ich es maßgeblich verdanke, hier zu sein, da ich mit ihr vor zwei Jahren das erste Mal hier war. Seitdem hatten wir uns nicht gesehen und ich hatte nicht mit ihrem Kommen gerechnet. Das dritte Ereignis war recht traurig, da wir vor einigen Wochen einen Bruder verabschiedet haben, der für mindestens fünf Jahre in die Taizé-Fraternität in Bangladesch fährt. Auch wenn er dort sicher gute Dienste leisten wird, war er gerade mir sehr ans Herz gewachsen, da er für unser Haus zuständig war und jeden Morgen mit uns gefrühstückt hatte. Zum Abschied hatten wir ihm einen überdimensionierten Schokoriegel geschenkt, der mit Rosinen dekoriert war, zwei seiner Lieblingsspeisen.

Tja, mehr gibt es für heute leider nicht zu lesen, aber ich versuche bald mehr zu schreiben!
Für alle, die die Artikel per Mail bekommen: es tut mir leid, dass der Newsletter nicht wirklich schön aussieht und nicht so gut aussieht. Aber da schon meine Zeit zum Blog Schreiben nicht reicht, reicht sie leider noch weniger zum programmieren.