Kurzes Update #2 (Church Responsible)
08.07.2022
Ich weiß, sehr kreativer Titel. Aber wenn ich wieder über ein bestimmtes Thema schreiben würde, bräuchte es Ewigkeiten. Daher nur ein "kurzes Update". :)
Gerade habe ich recht viel Zeit, da ich im Zug nach Deutschland sitze. Wobei, inzwischen bin ich schon in Deutschland. Aber ja, ich habe Taizé heute verlassen. Ok, das klingt nach Clickbait, denn ich werde ich in drei Tagen wieder zurückfahren. Auch wenn ich jetzt einen Wohnheimplatz habe, muss ich mein Studium noch irgendwie finanzieren, daher bin ich auf dem Weg zur Hauptauswahl des Evangelischen Studienwerks Villigst. Auch wenn ich gerne in Taizé bleiben würde, muss ich in Präsenz da sein, bin daher aber auch umso gespannter darauf! (Ok, da ich es nicht geschafft habe, den Artikel auf meiner ersten Bahnfahrt fertig zu schreiben, sitze ich gerade im Zug aus Villigst nach Hause, also meiner dritten Bahnfahrt; nicht, dass das in irgendeiner Weise wichtig wäre, aber "heute" ist dadurch nicht mehr heute...)
Aber ich möchte über mein Leben in Taizé berichten, nicht über mein Studium, das kommt vielleicht wann anders. Was könnte euch so interessieren? Wie wäre es mit drei lustigen Geschichten aus meinem Alltag als "church responsible"?
Zur Erinnerung
Wenn man sehr lange in Taizé bleibt, bekommt man eine oder mehrere Verantwortlichkeiten. Ich bin beispielsweise für das Putzteam Point 5, die Kirche und die Song Practice verantwortlich. Natürlich muss ich das nicht alles jede Woche machen, bekomme diese Arbeiten aber häufiger zugeteilt. Meine Arbeit als church responsible kommt in fast allen Punkten der eines Messners gleich. Ich leite ein Team an, das das jeweils kommende Gebet vorbereitet und die Kirche sauber hält. Dabei passieren aber immer wieder lustige Sachen. Von dreien möchte ich heute berichten
1. Den Altarraum in Brand setzen
Na gut, das ist jetzt wirklich Clickbait. Und eigentlich habe ich da auch nicht wirklich mitgemacht, trotzdem möchte ich euch davon berichten. Um einen starken Kontrast zwischen der Passionszeit, besonders Karfreitag und -samstag, und Ostern zu haben, entschieden wir uns dieses Jahr sämtliche Dekorationen aus dem Altarraum zu entfernen. Das heißt, wir haben die bunten Quadrate abgehängt, die Quadrate im Hintergrund mit Tüchern abgedeckt und alle Kerzen aus der Dekoration genommen.
Das ist aber nur die halbe Geschichte, denn zu Ostern wollten wir ja wieder alles da haben. Was haben wir also gemacht? Zur Eucharistie-Feier am Ostersonntag wieder alle Dekoration zurückstellen. Und das haben wir auch gemacht. Allerdings wäre es zu langweilig gewesen, das Gebet schon mit brennenden Kerzen zu beginnen. 10 Minuten vor dem Gebet zündeten daher drei Brüder alle 149 Kerzen an und stellten sie in Boxen neben den Altarraum. Während sich alle zum Ambo drehten und sich darauf konzentrierten, wie einige Frauen das Osterfeuer zur Osterkerze trugen, kamen einige Permanents, nahmen sich die Boxen und stellten alle Kerzen in die Fassungen in der Dekoration.
Das Lustigste waren dabei die Kommentare im Nachhinein. Einige hatten überhaupt nicht bemerkt, dass am Anfang keine Kerzen in der Dekoration waren, andere fanden es sehr lustig zuzusehen, wie die brennenden Kerzen hereingetragen wurden, und andere waren vollkommen verwirrt, wie plötzlich die Kerzen aufgetaucht waren. Ob es der Heilige Geist oder einige Freiwillige waren, haben wir für uns behalten, wobei die meisten herausgefunden haben, wie dieses Wunderwerk vollbracht wurde.
2. Bekomme ich hier mein Picknick?
Da in Taizé viele Türen nur nachts abgeschlossen sind und auch die privaten Bereiche der Öffentlichkeit zugänglich sind, sofern man die Eingänge findet, kommt es häufig mal vor, dass Menschen an den vollkommen absurdesten Orten landen. Dabei verirren sie sich und wir fragen uns, wie man sich so unfassbar stark verlaufen konnte. Das Lustigste Erlebnis war hierbei eindeutig, als in der Sakristei der Brüder, dem Ort, an dem die Brüder in ihre Roben schlüpfen, ein Mann auftauchte, der sein Picknick abholen wollte. Auch wenn diese erst 100 Meter weiter ausgegeben werden, hatte er es geschafft deutlich zu früh abzubiegen und durch eine Tür zu gehen, auf der sogar "Privé" steht.
Naja, ich konnte ihm dann zeigen, wo es tatsächlich lang geht und er hat sich herzlich bedankt.
3. Noch mehr Feuer!
In der letzten Woche gab es eine Gruppe, die nur für einen Tag in Taizé war. Das passiert sehr häufig, nur schreiben sie in der Regel nicht Gebete auf kleine Zettel, die sie dann unter das Kreuz legen. Genau das tat aber diese eine französische Gruppe. Da ich nicht wusste, was damit zu tun war, fragte ich den für die Kirche verantwortlichen Bruder, was wir machen sollten. Seine Antwort war, die Zettel am Ende der Woche weg zu schmeißen, nein besser, zu verbrennen. Iai! Wieder etwas anzünden!
Am Sonntag vergaß ich jedoch, dies zu erledigen, was mir dann am Montag auffiel. Allerdings erst nachdem ich mit meiner Arbeit in der Kirche fertig war. Also nahm ich die Zettel und ging damit zum Team für den Nachmittag, das sich gerade am Kennenlernen war. Ohne mich vorzustellen fragte ich sie, da sie draußen saßen, ob sie Lust auf ein kleines Feuer hätten. Weil ich sehr lange nach einem funktionierenden Feuerzeug suchen musste, vergaß die Gruppe aber fast, dass ich Zettel anzünden wollte. Während sie sich also alle am vorstellen waren, kam ich wieder raus, legte die Zettel auf den Betonboden, zündete einen an und legte ihn dazu, um das Feuer zu entfachen. Das Team fand das sehr lustig, genau wie ich. Als ich mich dann vorstellen sollte, sagte ich lediglich meinen Namen und dass ich gerne Sachen anzünde. Dann ging ich wortlos weg.
So, das war's mal wieder. Wenn ich in dem Tempo weiter Updates raushaue, gibt es noch ein kleines Update #3, einen Artikel von meiner Rückfahrt, einen Überblick über das gesamte Jahr und dann, mal schauen? Es gibt noch sehr viele Sachen, von denen ich erzählen möchte, nur irgendwie fehlt mir häufig die Motivation dazu. Allerdings sind schon zwei Abende in Planung, bei denen ich ein bisschen life erzählen und auch Fragen beantworten kann. Einer in Karlsruhe und einer in Neckargerach. Dazu seid ihr natürlich ebenfalls recht herzlich eingeladen, genauere Termine folgen noch rechtzeitig.
Liebe Grüße, diesmal aus Deutschland!