Andacht: Lukas 10, 17-20
10.09.2022
Lied: Aus den Dörfern
Gebet:
Papa im Himmel, wir kommen aus Dörfern, aus Städten, von nah, von fern, begeistert, genervt, bereichert durch unser Jahr im Ausland. Einige von uns sind deinen Spuren gefolgt, andere hatten nichts mit dir zu tun. Einige von uns wurden zu deinen Boten. Wir haben Menschen zusammengerufen zu einem Fest, das wir in deinem Namen feiern. Wir sind dankbar für alle Erfahrungen, die wir machen durften, dankbar dafür, dass wir eine Bereicherung für andere sein konnten. Wir danken dir, dass du uns auf diesem Weg begleitet hast und bitten dich uns und die Menschen, denen wir begegnet sind, auch in Zukunft zu begleiten.
Lied: Herr, ich komme zu dir
Lesung: Lukas 10, 17-20
Die Zweiundsiebzig aber kamen zurück voll Freude und sprachen: Herr, auch die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen. Er sprach aber zu ihnen: Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz. Seht, ich habe euch Macht gegeben, zu treten auf Schlangen und Skorpione, und Macht über alle Gewalt des Feindes; und nichts wird euch schaden. Doch darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind. Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.
Gedanken zur Lesung
So wie Jesu Jünger zurückgekehrt sind, sind auch wir voll Freude über unser Jahr im Ausland wieder hier zusammengekommen. Das ist aber auf den ersten Blick das einzige, was wir und die Jünger in dieser Geschichte gemeinsam haben. Denn soviel ich weiß, hat niemand von uns Schlangen und Skorpione zertreten oder Gewalt über Feinde ausgeübt. Was will uns dieser Text also sagen?
Falls ihr euch noch an das Vorbereitungsseminar im Juli erinnert, übertrage ich gerne Situationen in biblischen Geschichten auf die, mit denen wir gerade konfrontiert sind. Und das ist ja hier ganz eindeutig ein Problem. Schauen wir also mal auf die Vorgeschichte, das was sonst noch in Lukas 10 passiert. Da sendet Jesus erst einmal diese Zweiundsiebzig aus und trägt ihnen einiges auf:
Tragt keinen Geldbeutel bei euch, keine Tasche, keine Schuhe, und grüßt niemanden auf der Straße. Wenn ihr in ein Haus kommt, sprecht zuerst: Friede sei diesem Hause! (Lk 10, 4-5)
So krass haben wir das ja auch nicht gemacht. Wir hatten wohl alle unseren Geldbeutel bei uns, unseren Perso, Reisepass, Taschengeld. Sicherlich auch mindestens zwei Paar Schuhe, ein sommerliches, ein winterliches, und wahrscheinlich waren wir auch alle freundliche Menschen und haben andere gegrüßt. Der Lesungstext passt also überhaupt nicht zu unserer Situation.
Jetzt fragt ihr euch sicher, warum ich euch damit langweile und diesen Text ausgesucht habe. Zur ersten Sache ganz kurz: ich dachte, ich würde wieder einen Tagesabschluss vorbereiten, daher schien mir eine Andacht passend. Nun hoffe ich, dass ihr nicht dadurch wieder einschlaft. Und zur zweiten Sache muss ich gestehen, dass ich den Text ausgesucht habe, weil mich diese Aussendung der Jünger fasziniert und wir das ja sehr ähnlich erlebt haben.
Aber auch ich merke, dass ich nicht jede Bibelstelle einfach so biegen kann, dass ich etwas Schönes daraus mache. Das wäre ja auch furchtbar, sonst könnte man jede Bibelstelle auslegen, wie man wollte. Versuchen wir also einen Trick der Mathematik anzuwenden: Vereinfachen. Wenn man in der Mathematik ein Problem betrachtet, muss man zuerst den ganz rohen Kern finden, alle mathematisch unwichtigen Eigenschaften streichen. Wenden wir dieses Schema mal auf Lukas 10 an:
Jesus sendete Menschen aus und trug ihnen auf, nur das Wichtigste mitzunehmen, das sie brauchten. Alles andere würde man ihnen geben, wohin sie kommen. Sie sollten den Leuten sagen, dass sie gekommen sind, um ihre Unterstützung anzubieten. Als die Menschen voller Freude wieder zurück kamen, sagten sie, dass sie gelernt haben Gutes zu tun. Und Jesus sagte, er habe gesehen, wie sie Gutes täten und dass er ihnen diese Möglichkeit gegeben hat. Doch sie sollten sich nicht darüber freuen, dass sie Gutes getan haben, sondern dass sie Gott in den Himmel einlädt.
Aha, jetzt wird schon klarer, wie unser Freiwilligendienst mit dieser Geschichte zusammenhängt! Wir sind in Einfachheit losgezogen und haben nicht viel mitgenommen, nur das Nötigste, was wir brauchen. Gerade für uns, die in Taizé waren, stimmt das. Und jetzt kommen wir mit großer Freude zusammen, dass wir Gutes getan haben, dass wir anderen geholfen haben und wir die Welt verändert haben. Soweit ergibt alles sehr viel Sinn.
Doch dann wird es komischer. Denn jetzt steht das DJiA stellvertreten für Jesus und sagt uns, dass sie es gesehen hat, was wir getan haben, all das aber nur durch es selbst schaffen konnten. Das ist ernüchternd. Schließlich hätten wir doch das Gleiche getan auch ohne DJiA! Aber hätten wir das wirklich auf eigene Faust getan? Ohne finanzielle Unterstützung, ohne Hilfe beim Organisieren? Wahrscheinlich doch nicht.
Bis dahin können wir es also doch hinnehmen, die Menschen damals waren sicher auch froh über die Gaben Jesu. Und so sind wir dankbar für das DJiA. Da müssen wir nicht drum streiten, sondern uns einfach freuen. Die letzte Aussage verschließt sich uns aber noch immer. Wieso sollen wir nicht froh sein, dass wir Gutes getan haben? Das DJiA hat uns zwar geholfen, aber es waren doch wir, die die Arbeit erledigt haben. Diejenigen, die teilweise 48h in der Woche arbeiten mussten, die trotz Gehirnerschütterung, trotz gebrochenen Fußes, trotz Depression, trotz aller Hindernisse weiter gearbeitet haben? Es ist doch unfair, dass wir uns darüber nicht freuen sollen.
Die Erkenntnis kommt vielleicht, wenn wir uns den zweiten Teil dieses Verses anschauen. Dieser wird irgendwie vergessen und für selbstverständlich gehalten. Weil wir Gutes getan haben, sind unsere Namen im Himmel geschrieben, also haben wir einen Platz im Himmel. Das ist ein Geschenk Gottes, der dankbar ist, dass wir in seinem Namen Gutes getan haben. Deshalb lädt er uns jetzt schon in den Himmel ein.
Warum uns Gott dieses Geschenk geben will, wird noch klarer, wenn wir an die gleiche Stelle im Matthäusevangelium schauen. Da steht: „Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat“ (Mt 10, 40). Durch uns, die wir von anderen aufgenommen wurden, haben diese auch gleichzeitig Gott aufgenommen. Und dafür ist Gott dankbar, dass wir für ihn durch die Welt ziehen. Ich könnte noch weiter darauf eingehen, das wäre aber wohl schnell langweilig.
Schauen wir uns also ein weiteres Mal an, warum wir uns nicht freuen sollen, dass wir Gutes getan haben. Das kommt aus einer Demut heraus, denn Gott hat uns die Gabe geschenkt Gutes zu tun, und weil wir das tun, hat er uns damit belohnt in den Himmel zu kommen. Wir sollen demütig sein, es nicht für selbstverständlich sehen, dass wir Gutes tun können und stattdessen uns freuen dass Gott uns liebt.
Das ist die Botschaft dieses Textes für uns. Gott liebt uns, darüber sollen wir uns freuen und in seinem Namen Gutes tun. Es hat also sehr viel gebracht den Text zu vereinfachen.
Lied: Wir wollen alle fröhlich sein
Gebet mit Fürbitte:
Papa im Himmel, wir danken dir, dass du uns liebst, dass du uns deine gaben schenkst, in deiner Welt Gutes zu tun.
Wir danken dir für alle Begegnungen, die wir hatten, für alle Menschen, die uns und dadurch dich aufgenommen haben.
Wir danken dir für das DJiA, das uns diesen Aufenthalt möglich gemacht hat, für alle Mühe und Organisation, die für jede*n von uns aufgebracht wurde.
Wir bitten dich für die Menschen, die Gutes in dieser Welt tun wollen, stehe ihnen bei und geh mit ihnen von Haus zu Haus, auch wenn sie nichts dabei haben.
Wir bitten dich für uns, dass du uns auf unserem weiteren Lebensweg begleitest und uns durch die Freude, in den Himmel eingeladen zu sein, stärkst, weiterhin Gutes zu tun.
Wir bitten dich für die Mitarbeiter*innen und Ehrenamtlichen beim DJiA. Schenke ihnen Kraft, weiterhin Menschen in deinem Namen zu entsenden.
Und alles was uns noch auf dem Herzen liegt bringen wir in der Stille vor dich.
Segen
Der Herr segne all euer Handeln und unterstütze euch dabei, Gutes zu tun.
Der Herr behüte euch, wann immer euch Gefahr droht und ihr ins Straucheln geratet.
Der Herr stehe euch bei und sende euch seinen Frieden.
Amen
Lied: Komm, Herr, segne uns
[Anmerkung: Zum Kontext: Diese Andacht habe ich im Rahmen des DJiA-Vorbereitungsseminars geschrieben.]