Poetry Slam: Im Anfang war die Mathematik
14.09.2023
Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
Am dritten Tag war dann das Meer da,
dann kamen Pflanzen und das Leben,
Adam und Eva im Garten Eden.
Doch in der Bibel steht nichts von einer Zahl,
die prim ist, wann traf Gott diese Wahl?
Mit dem Leben kamen Bio, Chemie und Physik,
doch wann erschuf Gott die Mathematik?
In manchen Momenten, da wünschte ich mir,
dass Gott einfach da wäre, einfach hier,
um bei mir zu sein durch all mein Klagen
und Antwort zu geben auf all meine Fragen.
Dann hätte sich sehr vieles angestaut:
Warum gibt es Mathematik überhaupt?
Warum denken wir so viel hin und her,
wenn es ohne doch so viel einfacher wär?
Vielleicht wäre dann das Gottes Antwort darauf:
„Ohne Mathematik, entstünde schnell ein Kreislauf.
Dann könnte man Fragen stellen wie die:
Warum praktizieren wir Philosophie?
So drehte man sich sehr schnell im Kreis,
in dem am Ende niemand mehr weiß,
warum es überhaupt irgendwas gibt.
Die Antwort darauf: Weil ich es lieb!
Gäbe es nichts, so wäre ja nichts dort,
Tohuwabohu, und so sprach ich das Wort.
Fehlte Mathematik, nur ein winziges Teil,
dann wäre die Welt, wie sie ist, nicht mehr heil.
Und stell dir mal vor, du wüsstest Bescheid,
über alles, den Weg, die Rechnerei.
Dann wäre der Reiz verloren gegangen,
etwas zu herauszufinden, dann und wann.“
Diese Antwort ist ja schön und gut,
doch trotzdem gibt sie mir nicht viel Mut,
denn mein Professor macht doch alles für uns,
erfindet tausend Definitionen, jeden Ursprungs!
Was soll das nun alles, gibt es überhaupt
eine Antwort darauf, haben wir alles gebaut,
Mathematik erfunden, ganz ohne Gott?
Oder entdeckten wir alles, nach deinem Wort?
„Ändert es etwas, wenn du das weißt?
Ist es nicht so, wie mit dem Heiligen Geist?
Bin ICH der Geist, oder ist es ein WIR?
Egal, durch diese Präsenz bin ich hier!
Stell dir mal vor, nicht ganz so abstrakt,
als jemand das Geheimnis des Werkzeugs geknackt.
Wurde die Spitzhacke damals ERfunden,
oder nur ein leichterer Weg GEfunden?
Mit Mathematik ist es dasselbe Spiel.
Es ist egal, ob du wenig weißt oder viel,
es ist egal, wie du sie siehst derzeit,
als Werkzeug oder die einzige Wahrheit.“
Das kann doch nicht wahrlich deine Antwort sein!
Mein Durchblick ist weiterhin so klein,
du kommst nicht zum Punkt, schwafelst hier rum
und ich fühle mich weiterhin so dumm.
Denn, warum ist dann alles, so wie es ist?
Warum wirkt alles wie der größte Mist?
Warum scheint alles so unnötig zu sein?
So könnte dann die dritte Antwort sein:
„Warum habe ich irgendwas erschaffen?
Warum habe ich es nicht bleiben lassen?
Weil es nur so etwas gibt, nur so etwas lebt.
Nichts, was ich erschaffen habe, ist perfekt.
Doch deshalb habe ich alles sehr gern,
niemals würde ich etwas entfernen.
Alles in dieser Welt hat seinen Platz,
nichts hier benötigt einen Ersatz.
Und wo wäre ich in der Perfektion?
Dann bräuchte ich nicht mehr bei euch zu wohnen.
Die Fehler des Lebens geben mir den Willen,
in dieser Welt diese Lücken zu füllen.“
Vielleicht ist es dann also doch wirklich wahr,
dass Mathematik von Anfang an da war.
Denn wir sehen nur einen Ausschnitt
von dieser Welt und Gottes Auftritt.
Doch Gott ist da, sieht alles, jedes Herz,
ja, das ist wahr, nicht irgendein Scherz!
Also feiern wir, lassen wir die Korken knallen,
Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen!
[Anmerkung: Geschrieben im Rahmen des Festaktes zum 75-jährigen Jubiläum des Evangelischen Studienwerks Villigst.]